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thema
vergänglichkeit in gemalten und fotografierten stilleben

überlegung
entdeckt eine gesellschaft ein neues medium, bedroht es meist ein vorangeganges und wird nur von einem teil der gesellschaft positiv begrüsst. so geschah es auch der fotografie vor mehr als 150 jahren. sie provozierte vehementen widerstand, weil sie die malerei abzulösen drohte. hierbei spielten weniger ethische beweggründe (z.b. die reproduzierbarkeit und die frage nach dem original) eine rolle als vielmehr wirtschaftliche faktoren. vor allem die portraitmaler verloren aufträge. pro und contra dieses konflikts war für claudia glass ausgangspunkt, gemalten stilleben (natura morta) mit fotografischen mitteln nahe zu kommen.

visuelle umsetzung
grosse bedeutung für ihr projekt hatte die formale strenge des 18. jh., die moderne, fast minimalistische auffassung der niederländischen und spanischen malerei. themen und symbolik, damals oft zu studienzwecken eingesetzt, haben bis heute ihre faszination und bedeutung behalten. die dechiffrierung von symbolik und zeichen spielt auch in der zeitgenössischen kunst eine rolle und spiegelt - wie damals - den philosphischen und sozialen diskurs.
das thema der vergänglichkeit, der blick auf das detail als ausschnitt und fokus einer wirklichkeit, sowie die bedeutung der einzelnen objekte, die sich während der fotoproduktion manchmal zu subjekten entwickelten, waren mitbestimmend für das endprodukt.

organisation und realiserung
ursprünglich geplant waren 52 bilder, die stellvertretend für 52 wochen unterschiedlich in farb- und materialstimmung den jahreskreislauf spiegeln sollten. doch ist eine gleichbleibende qualität in der aussage in dieser menge nicht zu realisieren.
in einjähriger zusammenarbeit mit dem still life fotografen mike wozny aus frankfurt entwickelte claudia glass 15 motive mit unterschiedlichen materialien und farbstimmungen. die requisiten dieser bilder stammten zum grossen teil von antiquitätenhändlern, die hintergünde wurden von künstlern und ihr selbst geschaffen. oberflächenstruktur und farbigkeit korrespondieren mit aussage und inhalt der abgebildeten objekte. in oft tagelanger arbeit wurde das licht gesetzt; gleich den vorbildern in der malerei arbeiteten claudia glass und mike wozny mit einer lichtquelle, die mit aufhellern und schatten differenziert wurde.
die durch licht und objekt erzielte nähe von fotografie und gemälde erstaunt. die zum teil fremd anmutenden kompositionen der einzelnen objekte (z.b. tulpen und eier) lassen erkennen, dass es sich um moderne werke handelt.
jede fotografie ist einem rezept und einem gedicht gewidmet. die korrespondenz zwischen bildsprache, wortsprache und evoziertem gaumenversprechen erhöht die spannung des einzelnen motivs. dadurch ist es dem betrachter möglich, das bild aus verschiedenen perspektiven wahrzunehmen.