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TABU

ort: greifensee . mönchaltdorf
zeit: 15.11.2001 - 7.4.2002

tabu: aus dem polynesischen entlehnt, bezeichnet ursprünglich alle geweihten dinge, die dem tatsächlichen oder sprachlichen zugriff des profanen verboten sind. die ausstellung versuchte, der kulturgeschichte des tabus und des tabubruches mit hilfe von installationen dialektisch näher zu kommen.
"es liegt in der natur der menschen, dass wir moral- und normvorstellungen haben, die sich wandeln. tabus nehmen wir wahr, wenn sie gebrochen werden. ... alte tabus gehen, neue kommen."
(barbara alder, ausstellungsmacherin, kantonsmuseum liestal)

auf zwei stockwerken präsentierte ursula gillmann für das museum das thema tabu. im ersten stock wurden informationen in geschickt aufgeteilten räumen geordnet multimedial präsentiert.

die kellerinszenierung wurde von claudia glass umgesetzt. ohne kommentar wurde der besuchende hier durch 15 tabustationen geschleust. in kellerabteilen, wohnzimmerähnlichen räumen und undefinierbaren vorräumen waren situationen inszeniert, in denen man indivduelle oder auch kollektive tabus erkennen konnte.
themen wie kannibalismus, alkohol, sex, folter, missbrauch, fremdgehen, armut und voyeurismus konnten visuell und akustisch entdeckt werden. auch das mysteriöse, dem man sich aus scheu und scham weder durch hinschauen noch durch anfassen nähern kann, wurde dargestellt.

zitate:

"Totem und Tabu"
"Mit seinem beklemmend schrägen Mix von schmuddeliger Absteige, Folterkammer und Kuriositätenkabinett gibt dieser Teil der Ausstellung quasi den Blick auf die "Leichen im Keller" frei, die nicht nur das Kantonsmuseum, sondern auch jeder Besucher auf seine Art in sich mitträgt. Ganz im Sinn von Sigmund Freud, der seinerzeit mit seiner Abhandlung "Totem und Tabu" den Begriff wissenschaftlich salonfähig gemacht hat, versucht die Tabu-Ausstellung in Liestal bei ihrem Publikum das Interesse für ein stark emotional besetztes Thema für einmal nicht primär über den Kopf, sondern vià das Unterbewusstsein zu wecken. ..." (Basler Zeitung)

Sinn und Unsinn der Verbote
"Unten, im Keller, wo in einer Raum- und Toninstallation private, peinlich berührende Situationen imitiert wurden, kommt man nicht umhin, froh um Verbote und Gebote zu sein. Auch hier wäre man für ein Eintrittsverbot dankbar, das den Schlüssellochblick in die schmuddelige Wohnstätte oder in die schmutzige Küche ersparen würde, aus der das Quieken eines geschlachteten Ferkels ertönt. Assoziativ und intuitiv erahnt man hier den Sinn der Verbote, welche das Zusammenleben der Menschen regeln und die etablierte Ordnung wahren." (Neue Zuger Zeitung)

Freud: Inzest als Grundlage der Kultur
"Steigt man in den Keller hinab, ist man zuerst nicht sicher, ob man nicht in der Gerümpelkammer gelandet sei. Da liegen Abfallsäcke und Abfalltonnen, da ist es düster, ist nirgends ein Museumsobjekt mit beruhigender Legende zu erblicken. Da steht ein Operationstisch hinter einem Gitter, da liegen Spritzen und Tabletten auf einem schmuddeligen Tisch, dort scheint eine Leiche in einer dunklen Ecke zu liegen.
Beklemmende Geräusche
Zusammen mit beklemmenden Hintergrundgeräuschen wird eine Kulisse erzeugt, die den Besucher auch an die Leichen in seinem eigenen Keller erinnert, die das Thema "Tabu" auf athmosphärische Weise, gleichsam im Unterbewussten des Besuchers inszeniert: Ohne Worte und ohne weitere Erklärung wird man auf die eigenen Assoziationen verwiesen." (Volksstimme)

Konfrontation mit eigenen Tabus
" ... In der bewusst erlebnisorientiert konzipierten Ausstellung werfen suggestive szenische Installationen, etwa einer schummrigen Dunkelkammer eines abwesenden (Skandal?)Photographen oder eines kalten medizinischen Obduktionszimmers im Halbdunkel des Kellergeschosses die Besucher und Besucherinnen auf ihre eigenen Phantasien, ihre eigenen Aengste und heimlichen Wünsche, ihr dunkles Unterbewusstes zurück - mit den entstandenen Bildern im eigenen Kopf soll jeder und jede Einzelne mit eigenen Tabus konfrontiert und auf spielerische Weise ins Thema eingeführt werden. ..." (Basellandschaftliche Zeitung)